Blue Lagoon und das Vulkangebiet Reykjanes

Für heute hatten wir einen Besuch in der Blue Lagoon, in Grindavik auf der Reykjanes Halbinsel süd-westlich von Reykjavik, geplant. Wir hatten den Abendtarif gebucht und somit noch Zeit vorher Reykjanes mit seinen Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Viele Reisende lassen die Halbinsel außen vor, dabei gibt es hier neben zahlreichen Lavafeldern, in denen sogar Neil Armstrong für seine Mondmission trainierte, noch einiges mehr zu sehen.

Roadtrip durch die Lavafelder

see in Reykjanes

Der Weg führte uns durch die kaum bewachsene und mit Lavakratern übersähte, mondähnliche Landschaft. Die Straßen waren teilweise unbefestigt, was die Autofahrt zunehmend abenteuerlustig machte. Tipp: Bei dieser Route ist ein Allradfahrzeug vorteilhaft.

Es ging rauf und runter, bis wir zu einem großen See, dem Kleifarvatn Lake, kamen. Hier fuhren wir auf den schwarzen Strand und liefen zum Ufer.

Einen traumhaften Ausblick hatten wir hier auf die gegenüberliegende Berglandschaft die sich im See spiegelte. Auf den Gipfeln lag sogar noch Schnee, was einen tollen Kontrast zu den schwarzen Bergen ergab.

See in Reykjanes

Die Reise führte uns weiter durch die surreale Mondlandschaft und wir hielten weiter oben am See an einem Aussichtspunkt.

Die Sonne verschwand langsam hinter einem sich auftuenden Nebel, was die ganze Szenerie hoch oben über dem See richtig mystisch machte. Wir kletterten auf einen Felsvorsprung und genossen die weite Natur mit Blick über den riesigen See.

Die heiße Quelle Skátalaug

Skatalaug Hot Pot

Abseits unserer Route, sollte sich ein Hot Pot befinden. Ich hatte mir die Stelle in meiner Offlinekarte vorher markiert, aber wir sahen keine beschilderte Ausfahrt.,

Da ich im Vorhinein gut recherchiert hatte, wusste ich, dass wir nach einem Herz an einem Berghang ausschau halten mussten. Als wir es plötzlich am Straßenrand erblickten, fuhren wir einen kleinen Weg ab, wo wir die Position der Skátalaug Quelle vermuteten. Auch hier war unser Allradfahrzeug von Vorteil, da der Weg unbefestigt war.

Skatalaug Hot Pot

Tatsächlich waren wir auf dem richtigen Weg. Wir stoppten mitten in der Landschaft, schnappten uns Handtuch und liefen die letzten Meter zur heißen Quelle. Wie ein kleiner Teich im Lavafeld lag Skátalaug da. Im hinteren Bereich war der Hot Pot durch eine Steinbegrenzung abgeteilt.

Es war immer wieder faszinierend was dieses Land alles zu bieten hatte.  Ich wünschte mir so einen Hot Pot auch in Deutschland finden zu können, es war einfach so schön dort mitten in der Natur im warmen Wasser zu entspannen.

Geothermales Gebiet Krýsuvík

Nur ein paar Autominuten weiter, sind wir auf ein dampfendes Gebiet namens Krýsuvík gestoßen. Nur wenige Touristen verirrten sich hierher. Eintritt kostete es keinen, wie so vieles in Island durfte man dieses Naturspektakel umsonst bewundern. Auf dem Parkplatz befand sich ein Kiosk und eine Toilette.

Vulkangebiet Krýsuvík

Über eine Brücke gelangten wir in das geothermale Gebiet. Es gab eine Wanderroute durch die brodelten Felder, vorbei an heißen Quellen mit gelben, grünen und roten Ablagerungen und es roch überall streng nach Schwefel. Der Boden blubberte und qualmte überall und man musste vorsichtig sein wo man hintrat. Ein Teil des Holzpfades war bereits den dampfenden Quellen zum Opfer gefallen.

Es war wieder ein ganz anderes Farbenspiel der Natur und ich verband diesen Schwefelgeruch zunehmend mit Island. Nach einer ausgiebigen Wanderung durch dieses Gebiet, machten wir uns weiter auf den Weg durch Reykjanes.

Brimketill der Lavasteinpool

Wir kamen der steinernen Küste immer näher und fuhren Richtung Grindavik, dem nächst größerem Ort. In Grindavik aßen wir bei Papa´s Restaurant eine Portion Fish&Chips auf der Terrasse. Kleine Fischerboote lagen hier am Ufer. In der Nähe sollte es eine heiße Quelle namens Brimketill an der Küste geben. Der Hot Pot lag nicht in der Natur wie bisher, sondern direkt an der Brandung des Atlantiks. Es sah gefährlich aus, aber wir wollten es wagen.

Brimketill

Wie die Lemminge, folgten wir der Beschilderung entlang der Küstenstraße. Von einem Parkplatz aus gelangten wir über schroffe Felsen zu einer Aussichtsplattform. Wir konnten riesige Wellen beobachten, die an der Lavagestein-Küste zu meterhohen Fontänen brachen. Einige Wellen hatten es echt in sich und fluteten die Aussichtsplattform mit Gischt.

Das war uns dann doch zu gefährlich in den Hot Pot Brimketill zu klettern, man sollte es vielleicht besser an windstilleren Tagen versuchen. Der Ausblick war aber definitiv einen Stopp wert gewesen. Tipp: Baden auf eigene Gefahr!

Die Schlammquelle Gunnuhver

Gunnuhuver

Auf der weiteren Route, sahen wir aus der Ferne weißen Rauch aufsteigen. Der Qualm wurde immer dichter, so dass wir befürchteten, ein Vulkan würde ausbrechen. Unsere Neugierde trieb uns in das Vulkangebiet Gunnuhver. Bei der nächsten Gelegenheit, bogen wir von der N425 auf eine Seitenstraße ab.

Wir liefen zum Ursprung der Dampffontäne. Es brodelte, zischte und stank nach Schwefel, was für ein Naturspektakel. Aus einem gut 20 Meter großen Krater, schoss mit einer unbeschreiblichen Kraft ein dichter Dampf. Gleich unter der Erdoberfläche werden hier Temperaturen bis 300°C erreicht.

Tipp: Wer seine Füße nicht in Sekundenschnelle garkochen möchte, sollte dringend auf den ausgewiesenen Pfaden bleiben.

Nachdem wir die dichten Rauchschwaden durchliefen, waren wir hinterher nass und stanken, aber es machte riesigen Spaß. Wir konnten gar nicht glauben was alles so aus dem Boden kommen konnte und welche Kräfte dahintersteckten. Interessant fand ich auch die isländische Legende Gunnas, deren Geist hier in einem Schlammloch begraben wurde um nicht weiter umher zu spuken.

Felsformationen von Valahnúkamöl

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Etwas weiter die Seitenstraße hinauf, vorbei an einem Leuchtturm, fanden wir noch einen sagenhaften Ausblick in die Valahnúkamöl Bucht. Wir erkannten einen schwarzen, erstarrten Lavafluss.

Gigantischen Felsformationen standen im Meer und vor uns brach der Boden steil nach unten ab. Viele Vögel brüteten hier in den felsigen Klippen und waren angriffsbereit, wenn man Ihnen zu nah kam. Ein weiterer, wunderschöner Ort den man gesehen haben muss.

Die Brücke zwischen 2 Kontinenten

between the continents

Zurück auf der N425, gelangten wir nach kurzer Zeit zu der Brücke zwischen den Kontinenten. Hier trifft die Eurasische- auf die Nordamerikanische Kontinentalplatte. Wir sprangen auf der Brücke hin und her, wo konnte man schon so einfach mal auf 2 Kontinenten sein.

Wir kletterten durch die Schlucht unter der Brücke, beziehungsweise in den Grabenbruch, der sich durch die tektonische Plattenverschiebung jedes Jahr verändert. Ebenfalls wieder ein tolles Erlebnis, dass einfach so auf dem Weg lag.

Wikingerdorf Njarðvík

wikinger häuser

Unser Roadtrip führte uns am Flughafen von Keflavik vorbei nach Njarðvík. Der ganze Ort erinnerte sehr an die Wikinger. In mitten eines Kreisverkehrs, stand eine Schwertskulptur aus Stein. Wir fanden hier die Viking World, ein Wikinger Museum und angrenzend daran, ein Wikinger Camp. Ein Areal mit kleinen grasbewachsenen Hütten. Das viele Grün der Ortschaft war eine gelungene Abwechslung zum Vulkangebiet aus dem wir kamen.

Bei einem Bäcker stärkten wir uns mit einem Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen. Tipp: Filterkaffee und Wasser gibt es überall kostenfrei.

Die Vulkanhöhle

vulkangebiet island

Nun machten wir uns aber auf zur Blue Lagoon. Nachdem wir einen Schlenker über die Westküste gemacht hatten, fuhren wir nun die Straße N43 Richtung Grindavik. Unterwegs hielten wir kurz an einem See, bevor die Vegetation wieder vulkanischer wurde.

An einer Einbuchtung, fanden wir die Dollan Lavacave. Hier wagten wir uns auf die vulkanischen, von Moos bewachsenen Steine. Das Gebiet besteht von Lava ausgespülten Höhlen. Daher waren wir sehr vorsichtig wo wir hin traten. So eine Landschaft hatten wir noch nie zuvor gesehen.

Eine Holztreppe führte in die kleine Dollan Lavacave. So konnten wir uns ansehen, wie es unter der rauen Oberfläche aussieht. Definitiv einen Stopp Wert, wenn man auf dem Weg zur Blue Lagoon ist.

Die Blue Lagoon

blue lagoon

Angekommen an der Blue Lagoon, erkundeten wir die Umgebung. Im Außenbereich konnten wir uns einen ersten Eindruck verschaffen. Schon hier fanden wir das türkis blaue Wasser, welches einen tollen Kontrast zum schwarzen Lavagestein ergab.

Obwohl wir erst für 18 Uhr gebucht hatten, durften wir kostenfrei früher in die Oase. Im Hauptgebäude konnten wir uns umziehen und liefen im Bademantel hinaus. Einfach atemberaubend war dieses Gefühl ins blaue Wasser zu steigen. Es war milchig trübe und circa 38°C warm. Wir schwammen umher, ein Glück war Nebensaison und wir fanden überall einen Platz für uns alleine. An der Poolbar im Wasser, holten wir uns ein Getränk das im Paket inbegriffen war.

blue lagoon

Was ein wohltuendes Wellness Erlebnis nach dem langen Tag in Reykjanes. Der Boden und der Rand des Beckens waren durch weiße Ablagerungen ganz weich und dennoch befanden wir uns inmitten von felsigem Gestein.

In einer Sauna und in einem Dampfbad fanden wir ebenfalls wohltuende Wärme. Wir holten uns eine Silica Mud Mask, die ebenfalls im Paket enthalten war. Nach kurzer Einwirkzeit, wuschen wir diese unter einem Wasserfall wieder ab. Meine Haut war so unglaublich weich danach. Wir entspannten im einzigartigen hellblauen Wasser bis die Sonnen unterging und es dunkel wurde. Tipp: Nutzt den Abendtarif, dieser ist günstiger und die Lagoon ist nicht überlaufen. Wir zahlten umgerechnet 58€ pro Person für 3 Stunden (inkl. Bademantel, Handtücher, Getränk und Schlammmaske).

Rausgekehrt wurden wir nicht: Obwohl wir die Eintrittszeit um 30 Minuten überschritten hatten, mussten wir nichts nachzahlen. Das waren wir aus deutschen Thermen anders gewohnt. Wir gehen oft in Thermen und ich habe vor euch darüber in meinem Saunaführer ausführlicher zu berichten. 

Fazit des Tages

Ein durchaus sehenswertes Vulkangebiet, in dem man viele kostenlose Sehenswürdigkeiten auf dem Weg zur Blue Lagoon entdecken kann. Die Blue Lagoon war jeden Cent wert und ich kann einen Besuch nur weiterempfehlen.

One Comment

  1. Hallo Tanja,
    ich habe deinen Bericht aufmerksam gelesen und eure Reise durch Island begeistert verfolgt.
    Du hast super interessant geschrieben. Fesselnd….

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